Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ein Kindlein in der Wiegen

"Alle Jahre wieder", "Oh Tannenbaum", Jingle Bells" ... nun mag ich die meisten dieser Lieder nicht mehr hören, schon gar nicht, wenn sie in einer swingenden, auf modern gemachten Bearbeitung daherkommen.
Da ist die CD "Ein Kindlein in der Wiegen - Weihnachten zur Lutherzeit" eine Entdeckung, die in wohltuendem Kontrast zum Mainstream steht. Nur wenige der Stücke auf der CD sind heutzutage als Weihnachtslieder bekannt, aber im beiliegenden Booklet wird die Entstehungsgeschichte aller Lieder bzw. Instrumentalbeiträge beschrieben und ihre Beziehung zum Weihnachtsfest erklärt.
Die Musik stammt zum größten Teil aus der Reformationszeit und ist geprägt von der Harmonik der Renaissance: eher streng und karg, gar nicht süßlich. Die oft sehr freie rhythmische Gestaltung nach dem gesungenen Text erhöht den Reiz der Lieder. Vor allem aber sind es die Interpreten, die mit ihrem Können auf den alten Instrumenten und mit ihrer Singstimme diese Musik mit Leben erfüllen und den Zuhörer aufhorchen lassen: Das Ensemble "Capella de la Torre" wird von Katharina Bäuml geleitet, und auf der Webseite des Ensembles erfährt man, dass lauter hochkarätige Musiker beteiligt sind.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Herbstgedicht(e)

Bei diesem milden und sonnigen Herbstwetter kommen mir Verse aus berühmten Herbstgedichten in den Sinn, geschrieben von Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Hermann Hesse, Theodor Storm oder Friedrich Hebbel. Eines der schönsten Gedichte zum Thema fehlt jedoch in den gängigen Anthologien: das von Ferdinand von Saar (1833 - 1906). Dieser österreichische Dichter, der zur Epoche des Naturalismus gezählt wird, hat sich vor allem durch Novellen hervorgetan. Viele seiner Gedichte werden zu Recht kaum gelesen und wirken sentimental und manchmal anklagend, aber das folgende "Herbstgedicht" ist ein kleines Juwel und verdient eine größere Verbreitung:

Der du die Wälder färbst,                                  
Sonniger, milder Herbst,
Schöner als Rosenblühn
Dünkt mir dein sanftes Glühn.

Nimmermehr Sturm und Drang,
Nimmermehr Sehnsuchtsklang;
Leise nur athmest du
Tiefer Erfüllung Ruh.

Aber vernehmbar auch
Klaget ein scheuer Hauch,
Der durch die Blätter weht:
Daß es zu Ende geht.

Dienstag, 6. September 2016

Festivalsommer (Teil 2): Festival Mediaval

Das Festival "Mediaval" findet alljährlich in Selb (Nordostbayern) statt und ist nach eigenen Angaben das größte Mittelalterfestival Europas. Größe bedeutet aber nicht, dass die musikalische Qualität im Durchschnitt auch größer ist als bei kleineren Veranstaltungen, wie der Vergleich mit dem Festival in Lommis zeigt. Auf den beiden großen Bühnen "Schlossbühne" und "Burgbühne" wurden die Konzerte natürlich elektronisch verstärkt, aber da wäre weniger mehr gewesen: Vor allem die Bässe waren durchwegs zu laut und stellten bisweilen die Melodieistrumente in den Schatten. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass vor den Bühnen Tanzfreudige durch einen starken Beat unterstützt werden sollten. Allerdings waren viele Kleinkinder anwesend, und nur wenige Eltern hatten für ihre Kinder mit einem Gehörschutz vorgesorgt.
Natürlich gibt es keinen Musikstil namens "Mittelalter", darum waren beim Festival auch Bands verschiedener Musikrichtungen vertreten, auch solche, deren Musik von Rap, Rock, Metal geprägt war und von denen ich annahm, dass sie meinem Geschmack eher nicht entsprechen würden. Einige Ensembles bezogen sich auf skandinavische Traditionen und hatten von dort Anregungen aufgegriffen, nicht nur, was das Instrumentarium betraf, sondern auch die Texte und die Harmonien. Ein Schwerpunkt war Musik aus dem Balkan. Bei der Vielzahl der auftretenden Ensembles war es mir natürlich nicht möglich, alle zu hören, die ich im Vorfeld als interessant eingestuft hatte, darum kann ich nur Ausschnitte aus dem umfangreichen Programm beschreiben und beschränke mich auf die Bands, die den lebendigsten Eindruck hinterlassen haben. 

Nun zu den auftretenden Gruppen: "Estampie" bot ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm dar, in dem instrumentale Passagen mit Gesang abwechselten.


Das Konzert von "Qntal" hingegen hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die Bühnenshow war aufwendig und ausgefeilt, gewiss, aber die Musik war zu gleichförmig mit stetig stampfendem Rhythmus und elektronisch wabernden Klängen.
Eine Entdeckung waren die drei Musiker von "Violons Barbares": Ein Percussionist eröffnete das Konzert mit virtuosen Rhythmen. Ein mongolisches Streichinstrument, die Pferdekopfgeige, lieferte die dunklen Streicherklänge, aber nicht mit samtigem Wohlklang, sondern rauh, ungestüm, rhythmisch akzentuiert, und zusammen mit der bulgarischen Gadulka entstand ein faszinierender Sound mit orientalischen Harmonien, vielen Flageoletts und typischen Verzierungen. Dazu überraschte der Musiker aus der Mongolei, Dandarvaanchig Enkhjargal,  mit einer wandlungsfähigen Stimme und virtuosem Obertongesang.
Schließlich möchte ich noch die Band "Dikanda" erwähnen, deren Stücke von den Traditionen des Balkan geprägt sind, die schwungvoll und stimmig dargeboten wurden.

Festivalsommer (Teil 1): Sunny Mountain Bluegrass Festival

In Lommis, etwa 30 km östlich von Winterthur gelegen, treffen sich alljährlich im Spätsommer Anhänger der Bluegrass-Szene, um Bands zu hören und spätabends noch selbst zu "jammen".
Dieses Jahr waren vier Bands eingeladen, von denen jede zwei Mal auftrat, jeweils mit einer verschiedenen Setlist. Zwischen den beiden Blöcken stellte ein Duo mit viel Erfahrung, genannt "The Miller's", Songs der legendären Delmore Brothers vor. Die erste Band auf der Bühne, "Blue Acoustic Flavour", ließ durch interessante Arrangements aufhorchen. Auf innovative Weise lotete sie die Genregrenzen des Bluegrass aus und erweiterte sie in Richtung Folk und Jazz. Dadurch wirkten ihre Darbietungen sehr abwechslungsreich und vielfältig.


Das Duo Racek und Vankat aus Tschechien überzeugte durch ausdrucksstarken Gesang und temperamentvolles Spiel:


"Sunny Mountain Grass", die Band des Gastgebers und Veranstalters, begeisterte ihre Fans mit fetzigen Traditionals. Und schließlich betrat die Gruppe "Nugget" die Bühne. Die vier Musiker mit österreichischen, slowakischen und französischen Wurzeln weisen viele Jahre Musiziererfahrung im Bluegrass-Stil auf; die Besetzung ist aber in der Zeit nicht immer gleich geblieben; lediglich der Gründer Helmut Mitteregger ist aus der Anfangszeit noch dabei. Die Spielfreude der "Nuggets" animiert die Zuhörer zum Mitwippen im Takt.

Montag, 22. August 2016

Bemaltes Porzellan - neue Motive

In den letzen Wochen habe ich mich wieder mit der Malerei auf Porzellan beschäftigt, und diese Werke sind dabei (unter anderem) entstanden:



Samstag, 25. Juni 2016

Tradition und Festzeltkultur

Jeden Sommer wieder kann der Besucher in manchen bayerischen Gemeinden von Brauchtumsvereinen organisierte Feste erleben, die in aller Regel in einem Festzelt stattfinden. An einem Ende des Zeltes befindet sich eine Bühne, der Großteil der Fläche wird von Biertischen und -bänken eingenommen. Es gibt zu essen und zu trinken (vor allem Bier), auf der Bühne spielt eine Blaskapelle und verschiedene Volkstanzgruppen präsentieren ihre eingeübten Tänze in einheitlicher Tracht. Gelegentlich treten Schuhplattler auf, auch Kindertanzgruppen sind zu sehen, vor allem an den Nachmittagen. Der Lärmpegel ist beträchtlich, bedingt durch die Akustik im Zelt. Die Musik wird durch Mikrofone verstärkt, aber abgesehen davon sind die vorgetragenen Tänze eher getragen und gemächlich. Die Veranstalter betonen, dass sie "das trachtlerische und musikalische Können an die nächste Generation weitergeben" wollen, nur: Fühlt sich die junge Generation von dieser Art Brauchtumspflege angesprochen? Der junge Festzeltbesucher kann sich mit Freunden an einen Tisch setzen und Essen und Getränke konsumieren, aber schon ein Gespräch ist bei der herrschenden Lautstärke im Zelt schwierig zu führen. Am Tanz können nur die Besucher teilnehmen, die in der entsprechenden Tracht gewandet sind und mit ihrem angemeldeten Verein gekommen sind.
Ganz anders die Volkstanzveranstaltungen französischer Tradition, Bal Folk genannt, die es mittlerweile auch hierzulande gibt: Die Bühne ist für die Musiker da, und im Saal tanzt Jung und Alt, Groß und Klein. Ganz selbstverständlich bewegen sich die Kinder inmitten der Erwachsenen, werden bei den Kreistänzen integriert und wachsen so in der Tradition auf. So unangestrengt kann "lebendige Brauchtumspflege" sein. Es bleibt unbestritten, dass unsere Trachtenvereine viel Zeit, Idealismus und Gemeinsinn aufbringen, um ihre Ziele zu fördern, aber bei den Strategien zur Erreichung der Ziele können sie noch nachbessern.
Auch bei uns gibt es mittlerweile viele Musikgruppen, die die alpenländische Musik so spielen können, dass sie zum Tanzen animiert.

Sonntag, 15. Mai 2016

Volxmusik Teil 3 "bratfisch"

Vor kurzem bin ich auf eine Band aus Wien aufmerksam geworden. Die vier jungen Männer treten auf unter dem Namen "bratfisch", und ihre Musik nennen sie "Weltstadtmusik" auf ihrer zuletzt erschienen CD "Aus heiterem Himmel". Der Klang des Wienerlieds ist ein paar Takte lang zu hören, aber die Schrammelseligkeit wird bald gebrochen und mündet in moderneren Stilen. 
Der Sänger der Band, Matthias Klissenbauer, kann (und will) seine Herkunft nicht verleugnen; er singt wienerisch mit einer leicht angerauhten Stimme. Gleich das erste Lied ist eine Melange aus Wiener Dialekt und französischen Floskeln, die mit Wiener Akzent gesprochen werden - sehr charmant. Es gibt auch Tracks mit Texten, die slawisch sind, aber weder tschechisch noch slowakisch (was die geographische Nähe zu Wien suggerieren könnte), sondern eher südslawisch, denn die Musik weist eindeutig in Richtung Balkan. Leider sind weder der Originaltext noch die Übersetzung  abgedruckt. Zur CD "Unter Wasser", die davor erschienen ist, gibt es allerdings schon ein Begleitheft mit Hinweisen zu den Liedern und Stücken. "Vanillekipferlmond", ein Lied mit originellen sprachlichen Bildern, wird mit fernöstlichen Anleihen eingeleitet.
Auch die meisten Instrumentalstücke erzeugen für mich eine Atmosphäre der Leichtigkeit und fordern geradezu zum Tanz auf. Der "Herrenseer Landler" z. B. tritt zunächst im Lokalkolorit auf, aber dann mischen sich Elemente des Balkan und Klezmer drein. Auch "Plan B" ist ein mitreißendes Stück, in dem alle Instrumente zu Wort kommen und abwechslungsreich agieren.

Dienstag, 22. März 2016

"Sadako will leben" - Was hat ein Jugendbuch mit dem fünften Jahrestag von Fukushima zu tun?

Hitze, blendende Helligkeit, orkanartiger Sturm, Rauch, Feuer, Schreie ....eindrücklich beschreibt Karl Bruckner den Abwurf der ersten Atombobe über Hiroshima in seinem Buch "Sadako will leben". Am Beispiel der jugendlichen Sadako erfährt der Leser die Auswirkungen und Spätfolgen der atomaren Strahlung auf den Menschen. Im Erscheinungsjahr 1961 legte dieser Jugendroman ein aufrüttelndes Zeugnis gegen den atomaren Krieg ab. Heutzutage mögen manche Passagen ein wenig pathetisch klingen, denn wir erwarten in Jugendbüchern eher schnoddrige Sprache und Lässigkeit im Ausdruck, doch das schmälert nicht die Aktualität und Brisanz des Werks.
Jahrelang war dieser Roman vergriffen, doch endlich wurde er 2005 neu aufgelegt. In welchem Zusammenhang steht nun dieses Antikriegsbuch mit Fukushima? Schon Robert Jungk hat darauf hingewiesen, dass die sogenannte "friedliche Nutzung der Atomkraft" nur ein Nebenprodukt der Erforschung und Entwicklung der Atomwaffen war. 
Dass eine der größten Atomkatastrophen der Neuzeit in Japan passierte, in dem Land, in dem die ersten Atombomben fielen, macht deutlich, dass das Gedächtnis der Menschheit sehr kurz ist, vor allem im Verglein mit den Zeitspannen, in denen radioaktiver Abfall strahlt und so sicher wir möglich unter Verschluss gehalten werden sollte.

Dienstag, 8. März 2016

"Wolf Hall" und "Bring up the Bodies"

So heißen die ersten beiden Romane der als Trilogie angelegten Lebensgeschichte von Thomas Cromwell, eines Rechtsanwalts am Hofe Heinrichs VIII. Hilary Mantel, die Autorin, erzählt aus der Perspektive von Thomas Cromwell, und das bisher letzte bedeutende Ereignis ist die Enthauptung von Anne Boleyn. 
Nun warte ich schon einige Jahre sehnlich auf den dritten Band - sehnlich, aber auch mit Bangen - da ich ja weiß, welches Ende den Romanhelden erwartet, und er mir sympathisch geworden ist. Vor einigen Wochen ist im Fernsehen die Verfilmung der bis jetzt vorliegenden Bände gezeigt worden, und ich fürchtete, das könnte bedeuten, dass Frau Mantel die Trilogie nicht mehr zu Ende schreibt. Inzwischen weiß ich von ihrer Webseite, dass sie am dritten Band arbeitet.
Die Verfilmung ist sehr gelungen, meine ich, denn sie kann die Atmosphäre einer stets im Hintergrund präsenten Gefahr spürbar machen. Der Leser (und der Zuseher) ist sich unablässig bewusst, dass Cromwell vorsichtig handeln und sprechen muss, dass das Leben am Hof Heinrichs VIII von Intrigen und Hinterhalt gekennzeichnet ist. Dazu kommt noch die Bedrohung durch den religiösen Eifer in jenem Zeitalter der Reformation, als in ganz Europa religiöser Wahn und Machtanspruch zu hochnotpeinlichen Verhören und zum Tod am Scheiterhaufen führten. Sowohl im Buch als auch im Film wird immer wieder einmal von verschiedenen Charakteren die Frage gestellt: "Are you threatening me?" Cromwells Standpunkt in Religionsfragen wird nur indirekt angesprochen; er verhält sich pragmatisch und sympathisiert mit dem menschenfreundlichen Flügel der Reformation.
Besonders der Film ist ein Augenschmaus für alle, die sich für das Zeitalter der Renaissance interessieren: Gebäude, dörfliche Ensembles gibt es zu bewundern, Kleidung, höfische Belustigungen wie Turniere und das Bogenschießen sind zu sehen. Die Musik bleibt unaufdringlich; die wiederkehrenden Motive unterstreichen die ständige Anspannung und latente Gefahr.
Den dritten Roman erwarte ich mit Spannung und hoffe auf eine kongeniale Verfilmung.

Dienstag, 9. Februar 2016

Sormeh - die etwas andere Frauenband

Zwei Iranerinnen, Golnar Shahyar und Mona Matbou Riahi, und eine gebürtige Serbin, Jelena Poprzan, haben sich in Wien zur Band "Sormeh" formiert. Vor einiger Zeit habe ich sie im Konzert gehört und war begeistert von ihrer Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke. Die CD "Sormeh" (persisch: "Lidstrich") hält die Erinnerung an den Konzertabend lebendig.
Auch wenn ich die Texte nicht verstehe, berührt mich der emotionsgeladene Gesang von Golnar Shahyar, z. B. im Lied "Nani, nani" oder "Adio Querida". Ihre Stimme hat ein eher tiefes Timbre, und dazu passen das tiefe Register der Klarinette von Frau Riahi und der Klang der Viola von Frau Poprzan. Auch die anderen beiden Bandmitglieder singen, z. B. in "Azadi", dem letzten Track auf der CD, ein dreistimmiges A-Capella Lied. 
Die Musikerinnen schöpfen aus verschiedenen östlichen Traditionen und machen spannende Arrangements daraus, einmal voll Schwermut wechselnd mit aufgewühlten Passagen, dann voll Fröhlichkeit in den Stücken aus der Klezmertradition. "What can you mach, S'is Amarica" sprüht vor Lebensfreude, hier mit Jelena Poprzan als Leadsängerin.
Der CD ist ein informatives Booklet beigefügt mit Erklärungen und Übersetzungen einiger Liedtexte sowie mit Hinweisen auf den Ursprung der Stücke.

Montag, 23. November 2015

Volxmusik Teil 2


Die Volksmusik im süddeutschen Raum, aber auch in Österreich und der Schweiz, erlebt gerade einen Aufschwung, was sich zum einen an der Vielzahl der Gruppen, die sich neu formieren, ausmachen lässt, zum anderen an den vielen Festivals, die zum Thema Volksmusik entstehen. Nicht alle der Volkmusikgruppen sind gut, denn es genügt nicht, das Instrumentarium der Volksmusik mit Verstärker zu verwenden und damit vorwiegend die übliche Popmusik zu spielen, mit den sattsam bekannten Harmoniefolgen und dem ewig gleichen Schlagzeugrhythmus.

Zwirbeldirn

ist eine Gruppe, die qualitativ herausragt und deren Musik es lohnt, sie zu entdecken. Drei Frauen an der Geige bzw. Bratsche und ein Mann am Kontrabass spielen Alpenländisches, aber auch Stücke aus dem Balkan. Die drei jungen Frauen singen auch, im Dialekt, auf Hochdeutsch und Englisch, und sie jodeln, und das eindrucksvoll, ohne Stimmakrobatik, wie man es manchmal hört, und ohne sentimentalen Beigeschmack, sondern kraftvoll, mit gut harmonierenden Stimmen. 
Zwirbeldirn haben ein abwechslungsreiches Repertoire; reine Instrumentalstücke wechseln sich ab mit Liedern, erinnernd an Moritaten und Bänkelsang, Blues. Die Möglichkeiten der Streichinstrumente werden ausgeschöpft; da wird gezupft und gechoppt, Knarzgeräusche des Bogens werden bewusst eingesetzt. Die Geigerinnen sind nicht um Wohlklang bemüht; ich glaube, dass es ihnen um Authentizität geht. Bemerkenswert sind auch die Texte: Auch wenn es um Jäger und Sennerin geht, hört man immer ein Augenzwinkern mit, die Ironie bricht durch.



Sonntag, 11. Oktober 2015

Bemaltes Porzellan - Teeservice "Fuchsien"

Vor über einem Jahr bin ich auf der Weser-Radtour in Fürstenberg, der Porzellanmanufaktur,  vorbeigekommen und wollte nicht vorüberfahren, ohne mir die Fabrik und das Museum angesehen zu haben. Im Laden erstand ich dann ein Teeservice mit dünnwandigen, zierlichen Tassen und einer Kanne, die mich ein wenig an fernöstliches Design erinnert und die trotzdem zeitlos wirkt. Nach Ostern in diesem Jahr habe ich mich endlich daran gewagt und das Porzellan bemalt. In einem Kurs bei Frau Susanne Reisser am Bodensee habe ich meine Ideen in konkrete Entwürfe umgesetzt und diese dann zu Hause fertig gestellt. So sieht das Ergebnis aus:






Sonntag, 27. September 2015

Am grünen Rand der Welt

In seinem Roman "Far from the Madding Crowd" schildert Thomas Hardy die romantischen Verstrickungen einer jungen Frau, Bathsheba Everdene, die schließlich zum Happy End, einer Heirat mit dem Richtigen, führen.
Die Verfilmung des Romans, nicht die erste übrigens, ist vor einiger Zeit erschienen, mit Carey Mulligan in der Hauptrolle. Bathsheba vereint in ihrem Wesen Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit einerseits, Unsicherheit und Zweifel bei der Suche nach Lebenssinn und Glück andererseits. Beides wird im Film deutlich: ihr manchmal fast trotziges Beharren auf ihrem Standpunkt, aber auch ihr Zögern, ihre Ambivalenz. Als sie zum Beispiel als neue Gutsbesitzerin ihren Arbeitern das erste Mal den Lohn ausbezahlt, entlässt sie den Verwalter aus nachvollziehbaren Gründen. Alle Landarbeiter sind anwesend; die Szene ist eine kleine Machtprobe - vor dem Schreibtisch der bullige Verwalter, dahinter sitzend Bathsheba, die sich gegen senen Widerspruch durchsetzt. Erst als der Verwalter gegangen ist, merkt man ihre Anspannung, und sie stützt kurz den Kopf in ihre Hände.
Für das späte 19. Jahrhundert ist ihr Auftreten den Männern gegenüber sehr selbstbewusst. Gabriel Oak und Mister Boldwood, die ihr beide einen Heiratsantrag machen, werden abgewiesen. Als jedoch der windige Sergeant Troy Interesse an ihr bekundet, wird sie unsicher. Die Schlüsselszene zwischen den beiden spielt in einer Waldlichtung, wo Troy ihr vorführt, wie kunstvoll er das Schwert handhabt. Er weist sie an, während seiner Demonstration bewegungslos stehen zu bleiben und ihm zu vertrauen; die Klinge sei stumpf. Bathsheba braucht Mut und Standhaftigkeit während der Zeremonie, und zum Schluss stellt sich noch heraus, dass der Säbel eine scharfe Klinge hat, als Troy ihr eine Locke abschneidet. Er hat sie also belogen, und ihm soll sie vertrauen? Aber da ist es schon um sie geschehen. Bald nach der Trauung erkennt sie ihren Fehler. Es will meiner Meinung nach nicht so recht zu dieser willensstarken und durchsetzungsfähigen Frau passen, dass sie verzweifelt reagiert, als Boldwood Troy erschießt, nachdem dieser unerwartet aufgetaucht ist. Erleichterung hätte besser zu ihr gepasst, finde ich.
In der Romanvorlage und im Film werden seelische Zustände durch das Wetter gespiegelt. Bedeutsame Veränderungen im Handlungsverlauf werden durch eine Feuersbrunst oder einen Sturm angekündigt. Die liebliche Landschaft Südenglands, die romantischen Dörfer und Gegenden liefern eine wunderschöne Folie zum Film. Auch die Filmmusik von Craig Armstrong möchte ich lobend erwähnen; mit ihren folkloristischen Elementen trägt sie viel zur Atmosphäre des Films bei.

Sonntag, 12. Juli 2015

Claudia Brendler: Fette Fee (Buchbesprechung)

Dieser Roman liefert überzeugende Charakterporträts der beiden Protagonistinnen, der 41-jährigen Jill, einer erfolglosen Schauspielerin und Kabarettistin, und der 16-jährigen Schülerin Felicia. Der Leser nimmt die Welt abwechselnd aus der Perspektive von Jill und von Felicia wahr. Insbesondere die Darstellung von Felicias - "Felis" - Innenleben ist sehr gelungen. Die Jugendliche ist stark übergewichtig, hat ein ziemlich angeschlagenes Selbstwertgefühl, wird in der Schule gemobbt und trägt sich manchmal mit Suizidgedanken. Sie hat eine parallele Fantasiewelt geschaffen, in die sich in Problemsituationen flüchtet. Sehr einfühlsam wird beschrieben, wie sich das Interesse von Felicia am anderen Geschlecht von realitätsfernen Traumwelten verschiebt und sich Julius zuwendet, einem Klassenkollegen. Auch Jill ist als Charakter glaubwürdig entworfen, viel besser als manche Romanfigur der von der Kritik hochgelobten Marlene Streeruwitz, deren Frauen oft unerträglich larmoyant und voll Selbstmitleid sind.

Montag, 15. Juni 2015

Folk - Volxmusik


Voriges Wochenende war ich auf einem Workshop für Bal Folk, und dort habe ich diese CD erstanden, die für mich eine Entdeckung ist:



Das Duo Cassard hat Gastmusiker eingeladen, und dabei sind hörenswerte Aufnahmen entstanden. Die Stücke basieren auf west- und nordeuropäischer Volksmusik, aber auch auf Volksmusik aus dem Balkan und dem nahen Orient. Diese alten Weisen werden mit Stilelementen des Jazz und Blues kombiniert, und das Ergebnis klingt überzeugend.

Irische, schottische, englische, bretonische, skandinavische und galicische Volksmusik hat in den letzten Jahrzehnten einen wahren Aufschwung erlebt. Im süddeutschen Raum lebend, hatte ich den Eindruck, dass das auch für die alpenländische Volksmusik gilt, denn es formieren sich zunehmend Gruppen, die auf Basis der alpenländischen Volksmusik unter Einbeziehung von modernen Harmonie- und Rhythmuselementen Musik machen, die aufhorchen lässt. Außerhalb des süddeutschen Raums sind sie aber kaum bekannt, und diese Volksmusik hat mit Vorbehalten zu kämpfen, habe ich bemerkt.
Der "Musikantenstadl" und ähnliche Veranstaltungen sind dafür verantwortlich, aber die Wurzeln liegen tiefer, wie Walter Haberl schon im Jahr 1993 konstatiert hat:

Das größte Dilemma in diesem Jahrhundert (Anm.: 20. Jhdt.) war, dass die Volksmusik - ich spreche nicht von der Verblödungsmusik à la Musikantenstadl - völlig unter die Räder gekommen ist. Das hat natürlich politische Gründe. Beethoven hat das Dritte Reich überlebt, die Volksmusik nicht. Denn von allem, das nach ´45 im ländlichen Raum vorhanden war, hat sich die Musikphilosophie, sprich Adorno, distanziert. Wer Volksmusik gemacht hat, dem wurde von höchster Stelle sofort der Stempel eines Reaktionärs mit faschistoidem Hauch aufgedrückt. Die Zerstörung der eigentlichen Volksmusikkultur kam von beiden Seiten, von rechts und dann von links. (nmz 1993)

Von den neuen Volksmusikanten ist der Begriff  "Volxmusik" geprägt worden, um die authentische Volksmusik vom Kommerz abzugrenzen. In den 80er Jahren habe ich Hubert von Goisern als Vorreiter dieser Bewegung erlebt, mit der CD "Aufgeigen statt niederschiassen". Neue Texte, gekonnt auf die alten anspielend, ein erweitertes Intrumentarium ließen die alten Stücke in einem anderen Licht erscheinen oder machten sie überhaupt erst bekannt. Eine Instrumentalnummer ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Der Neu-Ausseer, basierend auf dem Alt-Ausseer Jodler, beginnt langsam und getragen, wie für diesen Jodler üblich, und gleitet ganz allmählich in ein grooviges und fetziges Arrangement hinüber.
Es gab und gibt noch viele Volksmusikanten, die sich vehement gegen jede Änderung des ursprünglichen Texts, der Melodie oder Harmonie wehren, so, als lebten wir in einer abgeschotteten Welt, in der es keine Einflüsse von außen gibt. Dabei bemisst sich die Lebendigkeit einer Tradition doch an ihrer Fähigkeit, sich anzupassen, andere Traditionen aufzunehmen.
Ich bin überzeugt, dass die alpenländische Volksmusik sich öffnen muss, um zu überleben und für jüngere Generationen wieder interessant zu sein.

Montag, 1. Juni 2015

Gartenimpressionen

"Blaue Blume" - der Titel darf in dieser Jahreszeit durchaus wörtlich verstanden werden; in meinem Garten gibt es zur Zeit einige Sorten von blau blühenden Blumen: drei Arten von Glockenblumen, zwei verschiedene Geranien, von denen die eine schon eher lila zu nennen wäre, Ehrenpreis, Vergissmeinnicht ud Akeleien, die schon fast wieder verblüht sind. Die Rose "Cardinal Richelieu", immer die erste, die im späten Frühling ihre Blüten öffnet, weist in der Blütenfarbe einen deutlichen Blauanteil auf, finde ich - und - sie ist die dunkelste Rosenart im Garten.





Dienstag, 26. Mai 2015

Filmrezension zu "Silentium - vom Leben im Kloster"

Dieser Film von Sobo Swobodnik schildert den Alltag im Kloster der Benediktinerinnen im schwäbischen Habsthal. Schon die Ankündigung des Films hat mich an den Film "Die große Stille" erinnert, in dem ein Einblick in das Leben der Mönche in der Grande Chartreuse, dem Mutterkloster des Kartäuserordens im Südosten Frankreichs gegeben wird. 
"Silentium", "Stille" - schon die Titelwörter der Filme legen einen Vergleich nahe. Beide verzichten auf Filmmusik, nur im Abspann hört man in "Silentium" einen Song. Ansonsten hört man in beiden Filmen Geräusche, wie z. B. die Schritte der Ordensleute, das Wehen des Windes, Vogelgezwitscher, Gesang und Gebete in der Kirche. Mit einem signifikanten Unterschied: zwei der vier Schwestern, die gegenwärtig im Kloster leben, erzählen aus ihrem früheren Ordensleben, wobei offen bleibt, ob es vorher eine Frage gegeben hat, und die Äbtissin hört man beispielsweise bei einem Telefonat. Der Kartäuserorden ist ein Schweigeorden; die Mönche sprechen nicht, auch nicht bei längeren Einstellungen in Frontalansicht, was eine sehr dichte Atmosphäre erzeugt. Der Film "Silentium" erreicht diese Atmosphäre nicht; im Gegenteil, er weist manchmal Längen auf. Im Mönchsorden leben natürlich viele Brüder, junge wie alte, und allein das schon eröffnet mehr Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche Darstellung als das Leben im Frauenorden mit drei betagten Nonnen und einer nicht mehr ganz jungen Äbtissin. Ein älterer Pater lebt auch in dieser Gemeinschaft; er isst mit den Nonnen, ist in der Kirche anwesend, und man sieht ihn bei landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Gelände des Klosters. 
Die Nonnen siezen sich, was auf mich befremdlich wirkt, schließlich haben sie miteinander schon mehr Zeit verbracht, als man normalerweise mit eigenen Geschwistern verbringt. Dass ein Leben im Kloster nicht ohne Spannungen und zwischenmenschliche Probleme abläuft, ist klar, und das gilt auch dann, wenn man in einem Schweigeorden lebt. Aber eine Atmosphäre der Fürsorge und Geschwisterlichkeit sollte spürbar sein, denke ich. Im Film "Silentium" wird diese menschliche Wärme nicht spürbar, die Distanz überwiegt. 
Natürlich macht es einen Unterschied, wie viel Zeit für Dreharbeiten verfügbar ist, und ich glaube, dass der Film "Die große Stille" da eindeutig im Vorteil ist. Herr Swobodnik hatte seinen Film vermutlich viel schneller fertig.
Könnten sich junge Frauen angesprochen fühlen, in die Klostergemeinchaft in Habsthal einzutreten? Da bin ich eher skeptisch. Ist das Kloster attraktiv für Ruhesuchende, für Leute, die Abstand vom Alltag gewinnen möchten, eine "Auszeit" anstreben? Das kann ich mir schon vorstellen; das Kloster bietet solche Möglichkeiten an.